Eine Kollagenkette zwischen Verknüpfung und Abbau
Kollagen verlässt die Zelle als Vorläufermolekül mit sperrigen Endstücken. Erst wenn diese außerhalb der Zelle abgeschnitten sind, lagern sich die Stränge zu Fibrillen zusammen. In diesem Moment liegen sie noch unverbunden nebeneinander. Was aus ihnen ein zusammenhängendes Material macht, geschieht in den folgenden Stunden und Tagen an der Oberfläche der wachsenden Fibrille.
Allysin als chemischer Ankerpunkt
Die Lysyloxidase wird als inaktive Vorstufe ausgeschieden und nach dem Abspalten eines Propeptids aktiv. Sie greift gezielt Lysinreste an den nicht gewundenen Enden der Kollagenmoleküle an. Unter Verbrauch von Sauerstoff wird die Aminogruppe der Seitenkette abgelöst, übrig bleibt eine reaktionsfreudige Aldehydgruppe. Als Nebenprodukte entstehen Ammoniak und Wasserstoffperoxid.
Was danach folgt, braucht kein Enzym mehr. Das Aldehyd reagiert mit einer Aminogruppe oder einem zweiten Aldehyd im Nachbarmolekül. Zunächst bilden sich zweiwertige Verbindungen, die im Lauf der Zeit zu dreiwertigen Brücken wie Pyridinolin weiterreagieren. Das Kupfer-Ion bleibt dabei im Enzym; ohne es fehlt der Lysyloxidase ihre katalytische Aktivität. Für Kupfer hat die EU folgende Angabe zugelassen:
„Kupfer trägt zur Erhaltung von normalem Bindegewebe bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Das Zwei-Metall-Zentrum der Prolidase
Kollagen wird fortlaufend abgebaut und neu gebildet. Kollagenasen und weitere Proteasen zerschneiden die Stränge in immer kleinere Stücke, bis Zweierbausteine übrig bleiben. Endet ein solches Dipeptid auf Prolin oder Hydroxyprolin, hält der starre Ring dieser Aminosäure die Peptidbindung in einer Lage, an die gewöhnliche Dipeptidasen nicht herankommen.
Die Prolidase ist auf genau diese Bindung zugeschnitten. In ihrer Bindetasche sitzen zwei Mangan-Ionen, die über ein gemeinsames Hydroxid-Ion verbunden sind. Dieses Hydroxid greift das Kohlenstoffatom der Peptidbindung an, und das Dipeptid zerfällt in seine beiden Aminosäuren. Das Prolin kann erneut in eine Kollagenkette eingebaut werden. Für Mangan lautet die zugelassene Angabe:
„Mangan trägt zu einer normalen Bindegewebsbildung bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Zuckerketten für die wasserreiche Füllmasse
Mangan-Ionen tauchen noch an einer zweiten Stelle auf. Im Golgi-Apparat verlängern Glykosyltransferasen die Zuckerketten von Proteoglykanen, indem sie aktivierte Zuckerbausteine einzeln anhängen. Mehrere dieser Enzyme binden ihren Zuckerspender nur, wenn ein zweiwertiges Metallion, oft Mangan, die Phosphatgruppen des Spenders ausrichtet.
Die beschriebenen Enzyme sind wissenschaftlicher Hintergrund. Die Verordnung selbst nennt keines davon; sie formuliert für jedes Element einen eigenen Satz über das Bindegewebe, und jeder dieser Sätze gilt nur für das darin genannte Element.